Liebe Kundinnen, liebe Kunden

Gerade spielt sich in Sachen Mikroplastik wieder einmal ein politisches Trauerspiel ab. Mikroplastik ist inzwischen allgegenwärtig, selbst in der Rheinquelle wurde es schon nachgewiesen, es verseucht unsere Böden, und längst haben wir es auch im Blut. Als besonders grosse Quelle gilt der Reifenabrieb beim Autoverkehr, auch das Waschen von Kleidung aus Synthetikfasern (wie etwa sogenannte Funktionskleidung) trägt einen erheblichen Teil zur globalen Plastikverseuchung bei.

Nun gibt es Leute, die Autofahren und künstliche Textilfasern für unverzichtbar halten, aber selbst diese könnten womöglich durchaus der These zustimmen, dass zumindest dort Mikroplastik verboten gehört, wo es gar nicht nötig ist und es bessere Alternativen gibt, zum Beispiel in der Kosmetik. Und in den bunten Flaschen und Tiegeln tummelt sich viel davon, in fester, gelartiger und flüssiger Form.

Das Kosmetikregal ist voller Mikroplastik

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat 2021 rund 530 verschiedene Varianten dieser künstlichen Polymere eruiert, die in verschiedenen Kosmetikprodukten verwendet werden. Bei der Durchsicht der Zutatenlisten von 664 Make-ups fanden die Umweltschützer in 76 Prozent der Produkte Mikroplastik.

Mal dienen die Plastikpartikel einem abrasiven Zweck wie in der Zahnpasta, mal sollen sie eine Flüssigkeit als Konsistenzgeber gelartiger machen, die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Für die allermeisten dieser Plastikvarianten existieren nicht einmal grosstechnisch einsetzbare Nachweisverfahren. Wir verseuchen die Erde sozusagen im Blindflug.

Industrie verweigert sich

Die EU, die bei Umweltfragen traditionell eher auf der Seite der Konzerne steht, konnte sich bislang nur zu einer halbherzigen Regulierung (Verbote) der festen Mikroplastikvarianten durchringen, die Fristen sind lang. Stattdessen wollte sie zumindest die Kläranlagen europaweit soweit aufrüsten, dass nicht mehr so viel Mikroplastik aus dem Abwasser in Flüsse, Seen und Böden gelangt. An den Kosten dafür wollte sie die Verursacher, darunter auch die Kosmetikindustrie, massgeblich beteiligen, getreu dem Verursacherprinzip.

Doch die läuft nun Sturm dagegen, zieht vor Gericht und die Lobbyisten haben das nach rechts gerückte Europäische Parlament schon soweit, dass es selbst die Entscheidung überdenken will, die es noch vor wenigen Jahren mit überwältigender Mehrheit gefasst hat.

Alles wie gehabt

Hier setzt sich die schier unendliche Geschichte fort, die mit der Erfindung der synthetischen Tenside begonnen hat, die die Basis für Flüssigseifen, Duschgels und moderne Waschmittel sind. Die Folgen immer neuer eingesetzter «Technologien» und ausbleibender Regulierung waren schäumende Flüsse Ende der 1950er Jahre, umkippende Seen in den Jahrzehnten danach, heute ist es Mikroplastik allerorten.

Die ausführliche Geschichte der Umweltsünden der Industrie und des politischen Wegschauens lesen Sie im Buch «Die Renaissance der Seife», die neuesten Entwicklungen zum Thema Kläranlagen in dem Beitrag «Kläranlagen: Industrie will nicht zahlen».

Seife braucht keine hochgerüsteten Klärwerke

Kaltgerührte feste Seife (und selbst industriell gefertigte feste Seife) kommt im Übrigen völlig ohne Mikroplastik aus und ist in kürzester Zeit biologisch abbaubar, auch ohne all die zusätzlichen Klärstufen, die in den vergangenen Jahrzehnten in die Klärwerke schon eingebaut wurden, um die Hinterlassenschaften der Chemikalien der modernen künstlichen Tenside abzubauen oder herauszufiltern.

Unterdessen freue ich mich, dass einige Seifen wieder zurück im Shop sind (siehe weiter unten). Bitte beachten Sie, dass die Manufaktur im August für drei Wochen geschlossen bleibt, vom 8. – 29. August. Falls Sie bis dahin etwas bestellen, achten Sie bitte darauf, dass Sie den Rechnungsbetrag rechtzeitig überweisen, sodass Ihre Bestellung noch vorher verschickt werden kann.

Die Klimakatastrophe manifestiert sich (ziemlich genau wie seit Jahren vorhergesagt) nicht nur in extremen Hitzewellen, sondern, wie ich es hier gerade erlebe, auch in wochenlangem Dauerregen und herbstlichen Temperaturen (Stichwort: Extreme) mitten im eigentlichen Sommer. Insofern grüsse ich Sie heute aus einem nasskalten Heiligkreuz und wünsche uns allen noch ein wenig Sommer, wenn diese Wetterlage hoffentlich bald endet.

Ihr Wolfgang Frey

Aktuell

Die EU will die Verursacher von Mikroplastik im Abwasser zur Kasse bitten. Die Industrie läuft Sturm. [mehr]

«Die Renaissance der Seife»

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