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Was tun gegen gereizte, trockene und gestresste Haut?

Schon kalte Winterluft stresst und reizt unsere Haut.

Schon kalte Winterluft stresst und reizt unsere Haut.

Schmerzlich. Unsere Haut ist nicht nur unser grösstes Organ, sie ist auch allem ausgesetzt, was wir als Menschen erleben. Und das ist oft nicht ohne. Schon wenn wir uns gestresst fühlen, zeigt sich das oft an unserer Haut. Grosse Hitze, Kälte, trockene Winterluft oder falsche Pflegeprodukte tun ihr Übriges. Drei Vorschläge.  

Tatsache ist: Wenn Sie an irritierter, trockener oder geröteter Haut leiden, sind Sie nicht allein auf der Welt. Gereizt ist unsere Haut leider immer öfter. Da braucht es nicht einmal Diagnosen wie Neurodermitis, Rosacea oder Schuppenflechte (Psoriasis).

Rote, trockene, juckende, schuppende oder entzündliche Stellen können auch jenseits von diesen Hautkrankheiten entstehen. Die Haut reagiert auf vielfältige Umwelteinflüsse – schon trockene und kalte Winterluft oder grosse Hitze und vermehrte Sonneneinstrahlung im Sommer können ausreichen, um den natürlichen Feuchtigkeitshaushalt der Haut durcheinander zu bringen.

Perfekte Entfettung

Hinzu kommen die heutzutage standardmässig angebotenen und vielfach verwendeten Körperpflegeprodukte wie Flüssigseifen, Duschgels oder Shampoos. Sie enthalten oft recht aggressive Tenside, die die Haut über Gebühr entfetten. Die bei diesen Flüssigprodukten zwingend enthaltenen Konservierungsstoffe können ebenfalls hautreizend sein, hinzu kommen die verbreitet eingesetzten künstlichen Farben und Düfte sowie Wasserenthärter, sogenannte Komplexbildner, die ebenfalls irritierend auf die Haut wirken können [1].

Die grösste Leistung dieser Produkte besteht allerdings in der Entfettung. Ich selbst putze mein Bad seit Jahren ab und an mit einem (noch aus früheren Zeiten übrigen) herkömmlichen Duschgel, das hat so viel Reinigungskraft, dass es viele andere Putzmittel in den Schatten stellt. Sauber werden Dusche und Waschbecken damit immer und die Armaturen glänzen.

Die Entfettung ist das häufigste Problem unserer Haut im 21. Jahrhundert. Wird das natürliche Hautfett abgewaschen – mit zu heissem Wasser, zu scharfen Mitteln – fliesst damit auch ein Gutteil unserer natürlichen Hautbarriere ab, die unsere Haut eigentlich vor Umwelteinflüssen schützen soll.

Die Folge: Die entfettete obere Hautschicht schützt nicht mehr, sie wird trocken, weist Rötungen auf, schuppt oder juckt. Die beste Voraussetzung, um Krankheitserreger hindurchzulassen, die anschliessend weitere Probleme verursachen können.

Das Märchen vom “Säureschutzmantel”

Die passiert – wohlgemerkt – auch mit den von der Industrie als “pH-hautneutral” angepriesenen sauren Flüssigprodukten. Sie mögen zwar dem leicht sauren pH-Wert der Haut in unseren inzwischen teils übersäuerten Körpern entsprechen und damit den im Werbesprech vielzitierten “Säureschutzmantel” schützen, zugleich richten sie durch die eklatante Entfettung der Haut aber zuweilen mehr Schaden an als eine basische Seife [2].

Die jahrzehntelange PR-Kampagne der Kosmetikindustrie (mit künstlichen Flüssigseifen oder festen “seifenfreien Waschstücken” verdient man schlicht mehr als mit einem festen Seifenstück [3]) hat leider dazu geführt, dass sich heute auch die meisten Ärzte unreflektiert – auch bei nicht hautkranken Menschen – ganz allgemein gegen die eigentlich ursprüngliche, jahrhundertealte basische Hautpflege aussprechen (Selbst Leitungswasser hat einen höheren PH-Wert als die Haut und ist oft leicht basisch [4]).

Der pH-Wert der Haut reguliert sich auch nach einer basischen Seifenwäsche rasch wieder, der Fett- und Feuchtigkeitsverlust durch die Behandlung mit aggressiv entfettenden Tensiden hält aber oft länger an. Wird dieser Feuchtigkeitsmangel anhaltend durch häufiges Waschen mit solchen Produkten immer wieder angefacht, kann sich die Haut oft gar nicht mehr von selbst regenerieren.

Zweifelhafte Linderung per Ölquelle

Ergebnis sind insbesondere bei häufigem Händewaschen oft rissige Stellen. Vielleicht kennen Sie so etwas aus den Winterferien. Ich selbst habe es oft erlebt, man ist bei der ohnehin draussen und drinnen trockenen Luft viel in der Gastronomie unterwegs, wäscht sich den ganzen Tag mit den dort angebotenen flüssigen Mitteln die Hände und hat nach nach ein paar Tagen teils schon blutig aufgesprungene Hände. Bis man sich dann doch wieder zum Beispiel diese bekannte norwegische Handcreme kauft (ich habe das früher aus schierer Verzweiflung mehrfach gemacht), die allerdings (wie ich inzwischen weiss) zum Grossteil aus Erdölprodukten besteht [5], übrigens ebenso wie die traditionell oft empfohlenen Mittel Vaseline oder Melkfett [6].

Doch nicht nur potenziell aggressiv entfettende Flüssigseifen, Duschmittel, Shampoos oder selbstverständlich auch alkoholhaltige Desinfektionsmittel können die Haut irritieren (der von Hautärzten vielfach gegebene Rat in den ersten Jahren der COVID-19-Pandemie, lieber Desinfektionsmittel als Seife zu verwenden, das sei schonender, kann einen nur sprachlos zurücklassen). Auch was wir alltäglich erleben, was uns zugemutet wird, spiegelt sich in unserer Haut.

Unser Stress stresst unsere Haut

Zum Beispiel Stress. So wie wir bei Aufregung rasch einmal rote Flecken im Gesicht bekommen können oder bei zu grosser Belastung Pickel entstehen, kann zu grosser Stress im Alltag durch hormonelle Reaktionen auch unsere Hautbarriere irritieren [7]. Ergebnis können Ausschläge, juckende, trockene oder auch schuppige Stellen sein.

Viele Hautkrankheiten sind zwar eigentlich genetisch bedingt, “doch darüber, ob und wann die Krankheit ausbricht, wie sie sich manifestiert und wie lange sie andauert”, vermerkt das Ärzteblatt unter Hinweis auf mehrere Studien, “entscheiden viele andere Faktoren mit, unter anderem Chemikalien, mechanische Hautreizungen und die Psyche.” [8]

Was also tun? Zu mir kommen immer wieder teils schon verzweifelte Kund/innen, die mit Hautproblemen zu kämpfen haben und vom Hautarzt ausser Cortisonsalbe oft keine Hilfe bekommen haben. Ich bin kein Arzt und darf da nichts raten. Ich behaupte nie, eine kaltgerührte überfettete Seife ohne künstliche Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe würde etwas helfen.

Drei Vorschäge: Weglassen, kaltgerührte Seife, native Sheabutter

Ich schlage statt dessen vor, erstens einmal etwas wegzulassen. Konkret, alles, was die Haut potenziell reizen könnte. Gegen hormonelle Umstellungen oder Alltagsstress können wir oft nur bedingt etwas tun. Und wenn es wirklich eine Hautkrankheit ist, kommen wir um einen Arzt nicht herum – aber viele Hautprobleme sind nicht immer gleich auch eine Krankheit. Wir können also als erstens einmal versuchen, all die meist industriell gefertigten Flüssigprodukte wegzulassen, die unsere Haut potenziell und unnötig zusätzlich irritieren.

Stattdessen können wir für trockene Haut zweitens rückfettende kaltgerührte Seifen ohne künstliche Zusätze verwenden. Die Überfettung der Seifen pflegt die Haut spürbar bereits beim Waschen und trocknet sie nicht weiter aus. Bei regelmässiger Anwendung bessern sich die Symptome zusehends.

Bei besonders gereizten Hautstellen und in für die Haut besonders stressigen Jahreszeiten können wir drittens mit reiner und nativer (unraffinierter) Bio-Sheabutter nachhelfen, dem sparsamsten und einfachsten Mittel gegen trockene und gereizte Haut. So säubern und pflegen wir unsere Haut, ohne sie unnötig zu reizen. Stress hat sie im Alltag ohnehin genug.

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[Stand: 9. Dezember 2022]

 

Quellen:

[1] “Das gute alte Stück” in Ökotest Jahrbuch Kosmetik 2023, S. 164ff., Einzelheiten zu den bedenklichen Zusätzen jeweils in den Fussnoten der Testtabellen, auch online verfügbar unter https://www.oekotest.de/static_files/pdfs/article/12211/download.pdf, zuletzt aufgerufen am 9. Dezember 2022
[2] Dass die Erzählung vom “Säureschutzmantel” vor allem der Vermarktung industrieller Kosmetikprodukte dient und nicht auf haltbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht, lässt sich inzwischen selbst im Online-Lexikon Wikipedia nachlesen: Wikipedia, “Säureschutzmantel”, online verfügbar unter https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%A4ureschutzmantel, zuletzt aufgerufen am 18. November 2022. Kritik an den sauren Flüsssigprodukten und ihrer Bewerbung als hautfreundlich äusserten Mediziner bereits Anfang der 1990er Jahre, als zunächst die Duschgels ihren Siegeszug antraten und Seife in grossem Stil verdrängten: Der Spiegel, “Waschen. Auf sauer getrimmt”, Heft 9/1991, online verfügbar unter https://www.spiegel.de/kultur/auf-sauer-getrimmt-a-0afacfb9-0002-0001-0000-000013490436, zuletzt aufgerufen am 22. November 2022
[3] Insbesondere bei der breiteren Markteinführung des “Seifenfreien Waschstücks” der deutschen Marke Sebamed in den 1980er Jahren wurden die eklatanten Preisunterschiede deutlich. Während damals ein handelsübliches Stück Seife schon für 50 Pfennige zu haben war, kostete ein Sebamed-Waschstück, das zunächst nur in Apotheken erhältlich war, etwa sieben Mark. Die Entwicklung des Sebamed-Gründers Heinz Maurer stützte sich explizit auf die Theorie des “Säureschutzmantels” und wurde als “pH-hautneutral” beworben, vgl. Wikipedia, “Sebamed”,  online verfügbar unter https://de.wikipedia.org/wiki/Sebamed, zuletzt aufgerufen am 18. November 2022. Mit Sebameds “Seifenfreien Waschstück” und der Einführung der noch teureren füssigen seifenfreien “Sebamed Wasch-Emulsion” begann auch erst die in der breiteren Bevölkerung wahrnehmbare Werbekampagne der Industrie bezüglich des “Säureschutzmantels”. Flüssigseifen für den Hausgebrauch gab es damals noch nicht zu kaufen, sie waren gewerblichen Anwendungen vorbehalten, so wurden etwa Waschräume in der Gastronomie mit fest montierten Flüssigseifenspendern ausgerüstet. Erst in den 1990er Jahren wurden die ersten Flüssigseifen für den Hausgebrauch angeboten, sauer fomuliert und ebenfalls als “pH-hautneutral” vermarktet. Auch sie sind bis heute teurer als einfache industriell gefertigte Stückseifen.
[4] In vielen Fällen ist Leitungswasser leicht basisch und weist einen pH-Wert über der neutralem Schwelle von sieben auf. So wies etwa die Stadt Zürich für 2021 einen durchschnittlichen pH-Wert von knapp acht aus, vgl. “Die Qualität des Zürcher Trinkwassers”, online verfügbar unter https://www.stadt-zuerich.ch/content/dam/stzh/dib/Deutsch/Wasser/4-Publikationen_Broschueren/Trinkwasserqualit%c3%a4t%202021.pdf, zuletzt aufgerufen am 18. November 2022
[5] “Neutrogena: Sofort einziehende Handcreme”, online verfügbar unter https://www.neutrogena.de/handcreme/sofort-einziehende-handcreme#inhaltsstoffe, zuletzt aufgerufen am 8. November 2022. Der Bestandteil “paraffinum liquidum” ist ein Mineralöl, vgl. haut.de, “PARAFFINUM LIQUIDUM”, online verfügbar unter https://www.haut.de/inhaltsstoffe-inci/inci-detail/?id=10266, zuletzt aufgerufen am 8. November 2022
[6] Vgl. zu Vaseline Wikipedia, “Vaseline”, online verfügbar unter https://de.wikipedia.org/wiki/Vaseline, zuletzt aufgerufen am 8. November 2022; zu Melkfett, welches traditionell aus Erdölprodukten hergestellt wird, inzwischen aber teils auch aus Pflanzenölen Utopia.de, “Melkfett: Inhaltsstoffe, Anwendung und mögliche Risiken”, online verfügbar unter https://utopia.de/ratgeber/melkfett-inhaltsstoffe-anwendung-und-moegliche-risiken/, zuletzt aufgerufen am 8. November 2022
[7] Beethoven-Klinik Köln, “Stresspickel und Hautausschlag durch Stress – Wie hängt unser psychisches Gleichgewicht mit unserer Hautgesundheit zusammen?”, online verfügbar unter https://www.beethoven-klinik-koeln.de/stresspickel-und-hautausschlag-durch-stress/, zuletzt aufgerufen am 5. November 2022
[8] Deutsches Ärzteblatt, “Hautkrankheiten. Wechselwirkung zwischenHaut und Psyche”, Ausgabe PP, Heft 11/2002, S. 502, online verfügbar unter https://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=34406, zuletzt aufgerufen am 6. November 2022

 



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